EGBERT VAN HEEMSKERCK (1634-1704)
Niederländischer Genremaler in der Tradition holländischer realistischer Malerei Der niederländische Genremaler und Zeichner Van Heemskerck war ein Schüler von Pieter de Grebber, Maler historischer Gemälde, aber er ließ sich später stark beeinflussen durch Jan Miese Molenaer. Wahrscheinlich kannte er auch das Werk seines berühmten Zeitgenossen Jan Steen. In der holländischen realistischen Tradition des siebzehnten Jahrhunderts malte und zeichnete er Gemälde mit Darstellungen aus dem alltäglichen Leben. Das harte Leben der Bauern auf dem Land wurde nicht wie in späteren Zeiten romantisiert, und die Städter wurden porträtiert als ungehobelte und maßlose Tölpel. 1675 zog er nach Engeland um, wo er in Oxford und London lebte. Er erlebte da den Aufstieg “neuer Propheten”, wie beispielsweise George Fox. Die farbenfrohen, volkstümlichen Zusammenkünfte der Quaker waren ein Lieblingsthema von Van Heemskerck.

 

EH 01                      THE EXTRACTION                    h.13 cm

Ein Extra-Dienst beim Barbier

Inmitten einer chaotischen Szene hält ein Barbier seinen Patienten kräftig fest, um einen Zahn ziehen zu können. Durch seinen Kneifer können wir sehen, dass es sich hier um einen distinguierten, vornehmen und weisen Mann handelt. In seiner florierenden Praxis sitzen verletzte Menschen, die auf seine Hilfe warten. Der Junge, der links von der Treppe fällt, wird sich in die Reihe der Wartenden einreihen müssen. Der halb geöffnete Schrank steht voller Töpfe, Krüge und Flaschen, und auf dem Tisch steht ein Glas mit Urin, dass analysiert werden soll. Der Barbier war tatsächlich in allen Sätteln gerecht und stand bei den leichtgläubigen Bürgern gut angeschrieben. Die doch meistens kritischen Genremaler trieben aber mit dem Barbier so ihren leichten Spott. Auch seine ursprüngliche Aufgabe, nämlich das Rasieren, übte er scheinbar auch nicht gerade zimperlich aus, wenn man sich die verkrampfte Haltung des Kunden links auf dem Gemälde betrachtet.


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